Sonntag, 26. August 2012

Die Sahara als Solar Energie- Tankstelle

Ökostrom aus der Wüste

Eine verlockende Idee! Strom dort produziert wo die meiste Sonne scheint und die Energie über ein Leitungsystem dorthin geschickt - wo der Endverbraucher lebt.
Das ist der Gedanke der Planer von Desertec. Hinter diesem Namen Desertec Industrial Initiative (DII) verbirgt sich nicht ein grünes Startup-Newcomer Unternehmen, sondern die Creme de la Creme der deutschen Wirtschaft.
Ob EON, RWE oder Siemens, aber auch fragwürdige Partner wie Banken und Versicherung sind mit von der Partie. Alle wittern das große Geschäft. Wurde noch vor zwei Jahren vollmundig verkündet die erforderlichen 400 Milliarden Euro Investitionssumme selbst aufzubringen, wird jetzt bereits bei den FDP Freunden in der Regierung die Hand aufgehalten.

Deutschland darf bei diesem Milliardenprojekt nicht die Fäden fahrlässig aus der Hand geben. Es verliere seine Vorreiterrolle und verspiele eine ökonomische Chance. Diese Sprüche sind bekannt. Mit Steuermitteln möglichst alle Risiken minimieren und bei einem späterem Erfolg alleine ab zu kassieren.  Nicht umsonst sitzen die Systemrelevanten und Rettungsmilliarden gewohnten Strategen mit im Boot. Schon die Zusammensetzung der Gesellschafter lässt nichts Gutes für den Steuerzahler erahnen. Wie dem auch sei gehen die Planer oder sie nennen sich auch gerne Visionäre davon aus, daß bis 2050 bereits 90 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie stammen wird - und davon wollen sie ihr Sahnestück ab haben. (Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de)
 
Gebaut werden soll das Mammutprojekt in der Wüste - in der nordafrikanischen Sahara. Da die Sahara kein Niemandsland ist und schon oft Stammeskämpfe um ein unfruchtbares Stück Ödland in blutigen Gemetzel geendet haben, ist der Standort alles andere als sicher. Kein Nordafrikanisches Land hat, bis auf vielleicht Marokko mit seiner Monarchie, eine stabile Regierung. Sonnenenergie wird dann in Zukunft zum Spielball der afrikanischen Despoten, Stammesführer und islamistischer Fanatiker. Europa wird wieder erpressbar. Nur ein weltfremder Träumer oder Politiker kann diese Tatsachen übersehen.
 
Warum wählt man nicht eine sonnensichere und politische stabile Gegend aus. Nur 100 km entfernt von der Sahara liegen die Kanarischen Inseln. Fast genauso viel Sonneneinstrahlung wie in der benachbarten Wüste und mit festen demokratischen Strukturen. Als Teil Spaniens und als EU Mitglied ein geeigneter und sicherer Standort.
Natürlich steht nicht ganz soviel Land wie in der Sahara zur Verfügung und nicht jede Insel eignet sich für solch ein Großprojekt, aber Fuerteventura die östlichste Insel hätte die besten Voraussetzungen. Große unbewohnte wüstenähnliche Landstriche im Inselinnern, die nicht genutzt werden.
Dazu eine legale Steueroase bei einer Betriebsansiedlung und seit vielen Jahren als so genannte "ZEC Sonderzone" von Brüssel anerkannt und auch finanziell gefördert. Alles Nähere dazu hier " Warum auf den Kanaren investieren"
 
Nur einige Gedanken und Einwürfe von mir zu einem großen Mammut Projekt, das sicher sinnvoll aber in allen Konsequenzen noch nicht ausgereift und durchdacht erscheint.
 

Kommentare:

  1. "Ob EON, RWE oder Siemens, aber auch fragwürdige Partner wie Banken und Versicherung...": Warum diese Unterscheidung? Die Energiekonzerne sind die fragwürdigsten Partner überhaupt.
    Desertec ist ein undemokratisches und unsoziales Projekt. Wir haben in Europa genug Sonne (auch in D), um auf solche Projekte verzichten zu können. Aber mit Milliarden an Investitionen und tausenden Kilometern an neuen Leitungstrassen wird hier wieder ein Geschäft aufgezogen, das in der Hand weniger finanzstarker Konzerne und Banken konzentrtiert wird. Ohne Mitsprache der Bevölkerung; und die Regierungen - wir sehen es ja in Deutschland, wo eine Splitterpartei das Wirtschaftsministerium inne hat - sind schon gar kein Hindernis, wohl aber hilfreiche Vollzugsorgane, die Hindernisse wie z.B. mühsam erreichte Einspruchsrechte durch "Beschleunigungsgesetze" und ähnliches gerne beseitigen. Der Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland ging sicher nicht ohne klammheimliche Zugeständnisse an die Energiekonzerne über die Bühne, von denen wir erst langsam eine Ahnung bekommen. Förderung von Windenergie nur noch für die Grossprojekte in Offshore, und alles was in der Hand der Bevölkerung ist (Binnenwindkraft, Photovoltaik), wird mit fadenscheinigen Begründungen abgewürgt. Wenn schon Energiewende, dann bitteschön nur durch die "Grossen 4" EOn, ENBW, Vattenfall und RWE; so heisst die Devise. Desertec passt da wunderbar in das Konzept.
    Aber es gilt nach wie vor: small ist beautiful. 80% der Anlagen der Erneuerbaren Energien in D wurden nicht wegen, sondern gegen die Energiekonzerne umgesetzt. Das ist der Weg, der weitergegangen werden muss. Nicht nur in Deutschland, sondern überall.

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  2. Guten Abend Herr Betzwieser,
    ich habe bis gestern auf Lanzarote Urlaub gemacht und mich für die dortigen EEs sehr interessiert. Mit mehr als 12kwH Sonnenertrag im Jahresmittel ist die Ausbeute der Kanarischen Inseln für PV gigantisch (mit einer typischen standardanlage von 3 Modulen). Trotzdem scheuen die Anlagenbesitzer (Appartement Blöcke) die Investition; Grund hierfür sind die Regierung und... die Hersteller. Nach meinen Informationen sind nur italienische und spanische Windrad bzw. PV-Hersteller vertreten. Nach der Lektüre von Gomorrah von Saviano meine ich zu wissen warum. Können Sie der Sache mal nachgehen wieso solide deutsche Firmen patout nicht vertreten sind ?

    Zu Desertec einige Informationen:
    - Desertec liegt auf Eis und wird in der Form nie gebaut werden. Zu Planungsbeginn war es:
    - im Arabischen Raum noch ruhig
    - die PV-Module noch 4x teurer
    - die Finanzkrise nicht ausgebrochen
    - die Parabolspiegel Technik die einzige wirtschaftliche Lösung.

    Fazit: Was heute jeder Millionär stemmen kann, eine Biogasanlage oder einen mittelgroßen Solarpark, das war zur ersten Stunde von Desertec noch undenkbar. Fortschritt und Fukushima haben Desertec begraben; keins der großen Unternehmen stellt noch Leute ab um dem Projekt treu zu bleiben.

    viele Grüße aus dem wolkigen Deutschland,
    Michael Rodegast

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