Sonntag, 29. Juli 2012

Mit Wirtschaftswachstum aus der Krise ?


"Ob in Spanien oder Portugal - die Menschen spüren die Krise an allen Ecken und Enden: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Wirtschaft steckt in der Rezession, der Staat muss sparen. Beide Länder brauchen dringend Wachstum - so wie auch Irland, wo es seit 2011 zumindest allmählich aufwärts geht.

Europameister geblieben, den dritten internationalen Titel in Folge geholt - der 1. Juli 2012 ist schon jetzt ein bleibendes Datum im kollektiven Gedächtnis Spaniens. Die Spanier seien auch nicht mehr das, was sie mal waren, hatten im Ausland viele zur Turnierleistung der Selección gesagt. Auch die Spanier selbst hatten schon begonnen zu zweifeln - und dann das: ein mitreißendes Spiel, Spanien fegt Italien mit 4:0 vom Platz.

Ein paar Tage konnten sich die Spanier freuen, Campeones zu sein - doch inzwischen beherrschen wieder andere Schlagzeilen die Zeitungen. Spanien ist nicht nur Fußball-Europameister geblieben, es ist auch weiterhin Europameister, was die Arbeitslosenquote Jugendlicher angeht: Jeder zweite unter 25 findet keinen Job. Auch nicht mit guter Ausbildung, sagt Krankenpfleger Joan Àngel:

"Das ist wirklich schlimm. Ich habe zum Glück Arbeit, aber viele kommen von der Uni und finden nichts. Auswandern ist ein Thema."

so weit der Anfang eines Beitrages im Deutschlandfunk vom 16.7.2012.

Ob Wirtschaftswachstum allerdings das Allheilmittel für die Zukunft sein wird, ist mehr als fraglich. Wachstum um jeden Preis war in den vergangenen Jahrzehnten die Devise und hat auch bisher gut funktioniert. Daß natürlich Wachstum auf Kosten und zu Lasten eines anderen Landes geht, wurde in Kauf genommen. Natürliche Ressourcen wurden gnadenlos ausgebeutet und oft sinnlos vergeudet. Alles nach dem Motto: Nach mir die Sintflut.
Hauptsache uns geht es gut - wir sind die Besten und Größten und wollen es auch bleiben. Sollen die Anderen doch sehen, wo sie bleiben.
Klamm und heimlich sind nun zwei ehemalige Entwicklungsländer China und Indien dabei, ernsthaft Konkurrenz zu machen und die alten Industrieländer zu überholen und zu verdrängen. 
Noch kann man mithalten, aber bald wird sich das Blatt wenden - auch für Deutschland.
Wenn die neuen Wirtschaftgrößen genauso unsanft mit der Konkurrenz umspringen wie wir das vorgemacht haben, hat Europa nicht viel zu lachen.
Statt auf weiteres Wirtschaftswachstum und Export zu setzen wird es langsam Zeit Alternativen auszudenken und den Karren in die richtigen Gleise zu heben. 
Kluge Köpfe und Wirtschaftwaisen haben wir ja angeblich genug. Nur politisch muß diese Weichenstellung auch rechtzeitig erkannt und gewollt werden.
Spanien hatte über Jahrzehnte die Chance die reichlich sprudelnden Subventions-Milliarden  aus Brüssel sinnvoll und nachhaltig einzusetzen. Der größte Teil wurde jedoch mangels EU Kontrolle vergeudet.
Nicht die jetzige Regierung trägt die Schuld. Schon unter Maria Aznar wurde dieser Weg und die heutige Misere eingeleitet. Unterstürzt von den kleinen Aznars und Provinzfürsten wurde der Geldregen unters Volk und in so manche Taschen gebracht. Mariano Rajoy ist jetzt nur noch der Nachlassverwalter.
Griechenland war auch in der Antike ein großes Land - eine Weltmacht. Was daraus geworden ist, sehen wir heute.
Hier zum Weiterlesen des Deutschlandradio-Beitrag

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