Donnerstag, 3. Mai 2012

Wie konnte es nur soweit kommen ?

Zum spanischen Problem ein Bericht aus Telepolis, den ich für lesenswert halte.

"Krise gigantischen Ausmaßes"

Ein Artikel von Ralf Streck

Die extreme Arbeitslosigkeit steigt weiter stark und das Rating Spaniens nähert sich gefährlich der Ramsch-Grenze

Fast könnte man meinen, die neue rechte Regierung in Spanien treibe das Land mit aller Gewalt in den Ruin. Die hohe Arbeitslosigkeit ist nach der dekretierten Arbeitsmarktreform im ersten Quartal so stark gewachsen, wie seit Beginn der Krise 2009 nicht. Sie wird immer gefährlicher, denn Steuereinnahmen brechen weg und immer größere Löcher werden in die Bilanzen der gestressten Banken gerissen. Auch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sieht darin und in fallenden Löhnen ein Risiko. Der Konsum wird aber weiter einbrechen, weil nun, wie erwartet (Erleichterung nach geglücktem Schuldenschnitt in Griechenland), auch die Mehrwertsteuer angehoben wird. Zentrale Probleme, zu denen auch enorme Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten gehören, werden immer weiter verschlimmert.

Auch die konservative spanische Regierung findet angesichts der weiter stark steigenden Arbeitslosigkeit nun plötzlich deutliche Worte. In Madrid wurde man von der Entwicklung am Arbeitsmarkt offenbar überrascht, obwohl kaum etwas anderes zu erwarten war. In der Studie zur erwerbstätigen Bevölkerung (EPA), die nicht nur bei Arbeitsämtern gemeldete Arbeitslose registriert, wurde am Freitag festgestellt, dass praktisch jeder Vierte im Land arbeitslos ist und schon 52% aller jungen Menschen unter 25 Jahren. Die Studie erstellt das Statistikamt (INE) alle drei Monate. Sie hat aufgezeigt, dass nun schon mehr als 5,6 Millionen Menschen keinen Job mehr haben, 366.000 mehr als am Jahresende und 730.000 mehr als ein Jahr zuvor. )
Außenminister José Manuel Garcia-Margallo ist scheinbar schockiert: "Das sind schreckliche Zahlen für uns alle, und sie sind furchtbar für die Regierung", sagte José Manuel García Margallo. "Spanien steckt in einer Krise gigantischen Ausmaßes." Vor allem stecken aber zahllose Familien in einer furchtbaren Misere und galoppierender Armut (In Spanien galoppiert vor allem die Armut). Nun sind in mehr als 1,7 Millionen Haushalten alle Mitglieder ohne Job und schon fast jeder zweite Arbeitslose erhält schon keinerlei Leistungen mehr, weil der Anspruch auf Arbeitslosengeld ausgelaufen ist und das schmale Sozialgeld (400 Euro) nur sechs Monate gezahlt wird.

Derweil hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit Spaniens um zwei Stufen auf "BBB+" gesenkt. Spanien ist damit nur noch zwei Stufen von der Grenze entfernt, an dem die Anleihen als spekulative und ausfallgefährdete "Ramsch-Anleihen" gelten. "BBB+" ist auch die Bonitätsnote von Irland, das schon Nothilfe der EU beantragen musste. Da auch die Zinsen für spanische Staatsanleihen weiter steigen, wird es für Spanien immer gefährlicher und rückt der Nothilfeantrag näher. Angesichts der wirtschaftlichen Bedingungen kann sich Spanien Zinsen über 6% nicht leisten, da der Schuldendienst im Haushalt ohnehin schon der zweitgrößte Posten ist.
Längst müssen massiv Stellen im öffentlichen Dienst gestrichen werden, an Aus- und Fortbildung sowie an Forschung und Entwicklung wird extrem gespart, nur um die Zinsen bezahlen zu können. Es wird deshalb immer ernster für Spanien und damit für Europa (Es wird ernst für Spanien und damit für den Euro), da Spanien auch Italien mitzieht, wie die steigenden Zinsen bei der Anleiheauktion am Freitag gezeigt haben. Italien musste für zehnjährige Anleihen erneut fast 6% Rendite bieten und die kann sich das enorm hoch verschuldete Land noch weniger leisten.
Da S&P den Ausblick für Spanien auf negativ gesetzt hat, dürften zudem weitere Herabstufungen und damit weiter steigende Zinsen folgen. Die Analyse ist, anders als bei den früheren zum Teil absurden Abstufungen, nun sogar weitgehend korrekt. So verwies S&P auf die schlechte Wirtschaftslage. Die Wirtschaft ist erwartungsgemäß angesichts des "verrückten" Sparkurses in zwei aufeinander folgenden Quartalen wieder geschrumpft, womit das Land offiziell in die Rezession gespart wurde. Auch S&P hatte einst einen massiven Sparkurs gefordert. Nun zweifelt auch diese Agentur daran, dass Spanien sein Haushaltsdefizit angesichts der verschlechterten Lage unter Kontrolle bekommen kann. Schon zuvor gelang das nicht. Statt es 2011 auf 6% zu senken, wurde es nur leicht auf 8,5% gesenkt, womit Spanien auf Platz drei der Haushaltssünder aufgerückt ist. - weiterlesen.

Kommentare:

  1. Hallo Manfred

    Da Du Heise ins Spiel bringstund die verfehlte Bildungspolitik und daraus resultierende "Jugendarbeitslosigkeit" hier ein Artikel 22.2.2012:

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/151480

    "Wenn es noch des berühmten Tropfens gebraucht hätte, um das Fass zum Überlaufen zu bringen, dann war Antonio Moreno bereit, ihn beizusteuern. Der Polizeichef der Autonomen Region Valencia bezeichnete protestierende Kinder und Jugendliche der Lluís-Vives-Schule als "Feinde", denen man nicht zeigen dürfe, über welche "Kräfte und Schwächen" die Nationalpolizei verfüge. Bei Worten hatte es die Polizei auch nicht belassen, die in den vergangen Tagen immer wieder brutal gegen ihre "Feinde" vorgegangen ist, die gegen Kürzungen im Bildungssektor demonstrieren."

    Dem muss ich den Autor allerdings widersprechen, ich kenne Spanien auch unter Franco und war dort:

    "Dunkle Parallelen drängen sich im Land aber vor allem deshalb auf, wenn ein Polizeichef ganz im Duktus der Diktatur friedlich protestierende Kinder und Jugendliche als "Feinde" bezeichnet."

    Zu der Zeit waren Kinder und Jungendliche das höchste Gut in der Gesellschaft. Damals waren sie die Alterversorgung und deshalb wichtig für die Zukunft, heute sind es irgendwelche Zinsen. Das obstruste im Finanzmarkt sind diese Zinsen bei Staatsanleihen. Spanien zahlt 6% Zinsen mit anderen Worten ich geb Spanien 100.000 Euro und bekomme nach 10 Jahren 106.000 zurück. Geb ich aber z.B. Deutschland 100.000 Euro so bekomme ich wegen des negativen Zinses nach 10 Jahren 99.500 zurück. Letztere Anleihen gingen aber weg wie warme Semmeln. Jetzt muss man sich dabei auf der Zunge zergehen lassen, beide Länder sind in einem Wirtschaftraum (EU) und beide Länder haben die selbe Währung. Das zeigt mir wie die Finanzmärkte wie Heuschrecken ein Land überfallen und nach dem Kahlfressen nur nackte Erde hinterlassen und zum nächsten Fressplatz (Land)wandern.

    Wenn ich jetzt aber in diesem Thema weiter einsteige wird es zu politisch, deshalb lasse ich das besser.

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    1. Oder darf ich Manfred?

      "Wenn ich jetzt aber in diesem Thema weiter einsteige wird es zu politisch, deshalb lasse ich das besser."

      Ich geh da wie beim Diskreten gerne tief in die Materie und gehe dabei allerdings weit in die Zeit zurück zur Wurzel oder zum Erdmantel wo der Auslöser des Diskreten liegt. Wobei die Eurokrise und deren Folgen gerade mal erst 10 Jahre zurück liegen.

      Wenn offen reden im Blog dann gerne und ich werde keinen Spanier bürsten ;-). Ihr seid genauso blöd reingefallen wie wir. Die Spanier sind genauso arme Schweine wie die Griechen oder Deutschen (Länder kann man beliebig austauschen). Wobei ich die Spanier mehr mag wegen ihrer Mentalilät, ist aber eher subjektiv bei mir.

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