Sonntag, 29. April 2012

Jetzt kommt die Quittung



Kräftige Steuererhöhung auf den Kanaren
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Die fetten Jahre sind vorbei. Jetzt wird der kanarische Bürger zur Kasse gebeten. Drastische Steuererhöhungen sind im Gespräch. Noch ist nichts endgültig beschlossen, aber die Tendenz ist bereits erkennbar. Gilt es doch, die um 800 Millionen von der Madrider Zentralregierung für 2012 gekürzten Mittelzuweisungen für die Kanarer etwas auszugleichen. Für das 2. Halbjahr 2012 will man so 250 Millionen mehr einnehmen.



Geplant ist folgendes:
  • Die kanarische Mehrwertsteuer wird von 5% auf 7% erhöht. Dies soll schrittweise bis zum Jahr 2014 erfolgen.
  • Der bisherige auf einzelne Produkte bereits erhobene Mehrwertsteuer-Satz von 9% bzw. 13% steigt um 0,5% Punkte (z.B. Mietfahrzeuge)
  • Die bisher geltende Steuerbefreiung von Telefongesellschaften wird abgeschafft. Das Festnetz- und Handytelefonieren wir ab 1.7.2012 um 5% bzw. 2014 um 7% teurer.
  • Es wird eine Bankensteuer eingeführt, die die Kontoführungsgebühr und die Transaktionen verteuern wird. Insgesamt 30 Millionen Euro soll damit eingenommen werden.
  • Steuer auf Gewerbeflächen (11 € pro m² für Einkaufsflächen und 13 €/m² für Einkaufszentren. Mehreinnahmen ca. 10 Millionen Euro.
  • Die Einkommenssteuer erhöht sich bei einem Jahreseinkommen von mehr als 53.000 € von 21,5 % auf 22,58 %.
  • Die Absetzung der Werbungskosten wird drastisch eingeschränkt. Keine Absetzung von Studienkosten, Umzug, Geburt, Tod etc.
  • Alle Ausnahmen und Vergünstigungen im Erbschafts- und Schenkungsfall fallen ersatzlos weg. Mehreinnahmen von 25 Millionen im Jahr.
  • Erhöhung der Mineralölsteuer - jährliche Steuermehreinnahmen von ca. 90 Millionen Euro.
Diese und weitere Maßnahmen sollen dem Fiskus die erhofften Mittel bringen. Peanuts, wenn man die vielen Milliarden die für die Banken(rettung)sanierung sieht, die die Regierung z.B. nur in Deutschland für eine Branche aufgewendet hat.
Die autonome Provinz Islas Canarias ist klein und hat gerade mal etwas über 2 Millionen Einwohner. Seit über zwei Jahren läuft es wirtschaftlich schlecht. Die Arbeitlosenquote liegt bei 28 %. Tendenz weiter ansteigend. Aufgrund der Monoindustrie - Tourismus und etwas Landwirtschaft, ist auch kein Stimmungswandel oder etwa eine Konjunkturbelebung erkennbar.
Seit Jahren stöhnen die Canarios unter dem Sozialabbau, der Arbeitslosigkeit und den Preiserhöhungen - und es wird sicher kurzfristig auch nicht besser werden.
Zudem laufen so langsam die EU Subventionen für Bauprojekte und die Landwirtschaft aus.

Alles nicht Vorhersehbar ?
Eine verfehlte Politik in Madrid und auch auf den Kanaren in der Vergangenheit, die auf immerwährende Zuschüsse und Subvention auf für alle zukünftigen Jahren gesetzt hat, steht vor einem Scherbenhaufen. Anstatt in zukunftsträchtige Betriebe und Industrien zu investieren, die auch jetzt Arbeitsplätze und damit Steuereinnahmen gewährleisten würden, wurden Prestigeprojekte aus dem Boden gestampft. Objekte die niemand braucht und nur Unterhaltskosten erfordern. Wie Einfältig muß ein Mensch oder Politiker nur sein, ohne Zukunftsplanung blind in sein (und das seiner Untertanen) Unglück zu rennen.

Andrea Kusajda / pixelio.de
Erschwerend kommt noch hinzu, daß die Verschuldung der privaten Haushalte europaweit einen Spitzenplatz erreicht hat. Bankfinanzierte Häuser (bis zu 90 %), Ratenkredite auf PKW`s, Fernseher oder die Waschmaschine, alles wurde finanziert. Es wurde auch zu leicht gemacht, auf Pump Wohlstand aufzubauen. Die Mächtigen (Politiker) haben es vor gemacht und den Canario förmlich dazu animiert. Ein nur scheinbarer Wohlstand über Schulden finanziert, für den es jetzt die Quittung gibt. Der Jammer ist groß - und er wird noch größer werden.
Jeder muß sich aber selbst an die Nase fassen und hinterfragen, warum er - gerade er, dieses Spiel mitgemacht und seinen normalen Menschenverstand für sich nicht eingesetzt hat. Die Werbung und Verblendung war anscheinend doch mächtiger als der eigene Ego. Dafür darf er jetzt auch selbst seinen eingebrockten Napfinhalt auslöffeln.






Kommentare:

  1. @manfred
    Danke für diese Informationen.
    Würden endlich die Kurtaxen eingeführt, könnte mit dieser Abgabe anfallend Infrakosten gedeckt werden. Aber wenn alles nur billig und Geizferien buchen möchte, wird es schwieriger. Es braucht halt auch ein Umdenken bei den Touristen.
    http://blog.ab-in-den-urlaub.de/kurtaxe-touristensteuer-und-co-belasten-die-urlaubskasse/2535.html
    Herzlicher Gruss
    Carlos

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Immer schön im eigenen Saft braten, Carlos.
      Ich komme seit 15 Jahren nach Lanzarote. Jedes Jahr wird es teurer. Ich muss aber meinen Urlaub auch erst verdienen.
      Vielleicht hat ihr eure schönen Inseln bald für euch allei.

      Löschen
  2. "Vielleicht hat ihr eure schönen Inseln bald für euch allei."
    wenn das so weitergeht auf den Kanaren sehe ich schwarz.Seit 20 Jahren komme ich nach Fuerteventura,langsam denke ich über ein anderes Reiseziel nach,es wird einfach zu teuer.Vieles ist nur Nepp.

    AntwortenLöschen
  3. Mist Fehler:

    Moin zusammen

    Als Nepp würde ich die Preisentwicklung nicht bezeichnen, die Inseln liegen nunmal 1050 bis fast 1500 km vom Mutterland getrennt. Die steigenden Preise sind dem Umstand gezollt das die Energiepreise drastisch gestiegen sind. Alles was nicht von der Insel kommt muss teuer über den Luft-und Seeweg transportiert werden. Seit mal ehrlich zu euch selber, wieviele km konntet ihr vor 15 Jahren mit 20 DM (~11 Euro) und nun mit dem Auto zurück legen?

    Die jetzt eingeschlagene Sparpolitik mit den Steuererhöhungen werden den Kanaren das Genick brechen, eventuell nicht dieses Jahr da die Urlauber schon gebucht haben.

    Übrigens Manfred, bei Saisonarbeit wäre ein Vergleich zum Vorjahr aussagekräftiger. Ein Vergleich der Arbeitslosenzahlen zu einem Ferienquartal mit einem Flautequartal gibt da keine große Aussage.

    AntwortenLöschen

Bitte immer mit Ihrem Namen den Kommentar verfassen. Danke!