Freitag, 20. April 2012

Ende eines ergeizigen Bildungsprogramm

Der Tod des Elite-Wettbewerbs

Artikel aus der Frankfurter Rundschau

Während Deutschland aufrüstet, streicht Spanien die Mittel für die Exzellenzinitiative. Die spanische Öffentlichkeit hat derzeit andere Sorgen.
Die deutsche Wissenschaftsgemeinde blickt voller Spannung auf den 15. Juni dieses Jahres. An diesem Tag sollen die nächsten „Elite-Unis“ gekürt werden. Die Deutschen nehmen ihre Exzellenzinitiative sehr ernst, in deren Rahmen Milliarden Euro in die Spitzenforschung fließen. Anderswo jedoch zieht die Politik die Notbremse. Spanien will seine Mittel für den Wettbewerb ganz streichen. Dabei ließen sich die Spanier einst von der Idee Deutschlands anstecken.
Die neue konservative Regierung unter Mariano Rajoy hat unter dem EU-Spardiktat tiefe Einschnitte im Staatshaushalt angekündigt. Angesichts der absoluten Mehrheit seiner Partei im Parlament und elf linientreuen Regionen von insgesamt siebzehn scheinen die Kürzungen von drei Milliarden Euro für Bildung und Hochschulen inzwischen gewiss.
Verschuldung und Zwietracht
Der Satz, der alles beendet, klingt lapidar: „Das Exzellenzcampus-Programm wird nicht neu aufgelegt, weil es ein nutzloses Instrument geworden ist.“ Damit hat das Bildungsministerium am 4. April seinen Totenschein unterschrieben. Es sei zu viel in die Infrastruktur und zu wenig in Humankapital investiert worden, außerdem habe es die regionalen Regierungen zur Verschuldung getrieben und Zwietracht gesät. Einer der ehrgeizigsten Würfe der Vorgängerregierung unter José Luis Rodríguez Zapatero ist damit begraben (siehe Kasten).
Milliarden für die Universitäten
Drei Exzellenzinitiativen sind bisher in Europa auf den Weg gebracht worden: in Deutschland, Spanien und Frankreich. Präsident Nicolas Sarkozy peilt damit einen internationalen Qualitätssprung der Universitäten seines Landes an. In Spanien wiederum begräbt man jetzt den Elite-Uni-Wettbewerb.
590 Millionen Euro hatte Spanien zwischen 2008 und 2011 in exzellente Kooperationsprojekte von Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Regionen investiert. Nach der Sparentscheidung tröpfeln in diesem Jahr nur noch homöopathische neun Millionen Euro in internationale Master- und Doktorandenprogramme.
Die Entscheidung in der zweiten Phase der deutschen Exzellenzinitiative wiederum steht kurz bevor. Sie fällt am 15. Juni. Insgesamt sind 59 Projekte an 32 Universitäten in der Endrunde, darunter sieben Universitäten, die sich mit ihren Zukunftskonzepten für den Status einer „Elite-Universität“ bewerben. Insgesamt stehen in dieser Runde mehr als 2,7 Milliarden Euro bereit – der Bund gibt 75 Prozent, die Länder 25 Prozent.
Das Projekt „Campus de Excelencia Internacional“ (CEI), in das bereits mehr als eine halbe Milliarde Euro floss, war 2008 als Teil der „Universitätsstrategie 2015“ aus der Taufe gehoben worden - weiterlesen.

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