Freitag, 23. März 2012

Erdöl contra Sonnenöl

Bohrtürme vor Kanarischen Inseln geplant
Noch einmal das Erdöl Thema von Javier Cáceres, Madrid für die Süddeutsche.de:


Experten des multinationalen Konzerns Repsol sind sich sicher, vor den Kanaren ein riesiges Erdölfeld entdeckt zu haben - und wollen mit Probebohrungen vor Fuerteventura und Lanzarote beginnen. Einheimische und Touristikbranche sind entsetzt. Denn was ist, wenn es zu einem Unfall kommt?

Die Einwohner auf den Kanaren können sich noch gut daran erinnern, wie es vor einigen Jahrzehnten auf ihren Inseln aussah. Ein bisschen Landwirtschaft wurde betrieben und Fischerei, doch weil das nicht reichte, war die Emigration für unzählige Kanarier die einzige Alternative zum blanken Hunger.
Dann kam der Massentourismus. Mittel- und Nordeuropäer verwandelten Strände in Goldgruben. Dass viele längst verschandelt sind - das schien fast egal zu sein. Aber auf den Kanaren befürchtet man nun, dass eben dieser Hauptwirtschaftszweig aufs Spiel gesetzt wird. Spaniens konservative Regierung hat dem Energiekonzern Repsol YPF genehmigt, 61 Kilometer vor den Urlaubsparadiesen Fuerteventura und Lanzarote Erdöl-Probebohrungen zu starten.

Bis an Hotelrezeptionen die Frage "Blick auf die Straße oder lieber Bohrinsel?" ertönt, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen. Aber die Experten des Energiekonzerns sind sich sicher, auf das Oklahoma des Atlantiks gestoßen zu sein. Man stehe vor "der größten Erdölblase der Geschichte Spaniens", bis zu 150.000 Barrel könnten täglich aus dem Meeresgrund gepumpt werden. Dies würde Spaniens Förderkapazität auf einen Schlag verfünfzigfachen.

Zum Vergleich: Die vermutete Menge würde dem Volumen entsprechen, das Spanien durch das EU-Embargo gegen Iran verloren gegangen ist. Spanien muss knapp 99 Prozent seines Erdölbedarfs im Ausland einkaufen, mit gravierenden Auswirkungen auf die Außenhandelsbilanz - weiterlesen.

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