Mittwoch, 17. August 2011

Was Sie über spanische Mitarbeiter wissen sollten

Angesichts des drohenden Fachkräftemangels hat die Bundesagentur für Arbeit kürzlich dafür geworben, gezielt Ingenieure, IT-Spezialisten und Pflegepersonal aus den europäischen Südländern anzuwerben. Leicht gesagt, doch verlangt es mehr, diese Menschen auch wirklich für sich zu gewinnen. Einen Überblick über die größten Stolperfallen im Umgang mit spanischen Mitarbeitern erhalten Sie in Teil 1 unserer vierteiligen Interview-Serie.
Alexandra Metzger, interkulturelle Expertin für Spanien

Haufe Online-Redaktion: Die Arbeitslosigkeit in Spanien ist immens hoch. Inwieweit wären die Spanier überhaupt bereit, für den Job nach Deutschland zu kommen?

Alexandra Metzger: Stimmt, die Arbeitslosenquote liegt bei rund 20 Prozent und unter jungen Leuten sogar bei 40 Prozent. Niemand glaubt, dass sich die Situation schnell ändern wird und man spricht in Spanien sogar von der „Generación Perdida“ – der verlorenen Generation. Natürlich überlegen sich gerade junge und gut ausgebildete Menschen, ins Ausland zu gehen, um eine Stelle zu finden. Deutschland kann Fachkräften vor diesem Hintergrund attraktive, gut bezahlte und sichere Jobs anbieten.

Haufe Online-Redaktion: Wo sehen Sie die größte Hürde beziehungsweise woran denken Sie, scheitern die meisten Versuche, nach Deutschland zu kommen?

Metzger: Sicher sind fehlende Deutschkenntnisse für viele Spanier eine Hürde – gerade auch weil Deutsch den Ruf hat, schwierig zu lernen zu sein. Generell muss man auch sagen, dass Spanier eine sehr große Verbundenheit zu ihrem Heimatort und ihrer Familie aufweisen und es vielen schwer fällt, weit weg von zuhause zu leben. Viele suchen sich deshalb im Ausland Orte, wo sich bereits Freunde oder Verwandte niedergelassen haben.

Haufe Online-Redaktion: Welche Anreize müssen deutsche Unternehmen potenziellen Bewerbern bieten?

Metzger: Zum einen eine interessante Tätigkeit und die Chance auf einem unbefristeten Arbeitsvertrag. Zum anderen Unterstützung beim Einleben in Deutschland. Hierzu gehört sicherlich, dass das deutsche Unternehmen erst einmal akzeptiert, dass der neue spanische Mitarbeiter noch kein Deutsch spricht und diesen mit einem Deutschkurs unterstützt. Darüber hinaus würden es Bewerber auch schätzen, wenn sie Hilfe bei der Wohnungssuche oder bei Behördengängen erhalten.

Haufe Online-Redaktion: Wie unterscheidet sich der Bewerbungsprozess in Spanien von dem deutschen Auswahlprozess?

Metzger: In Spanien läuft der Bewerbungsprozess meist per E-Mail ab. Man schickt einen Lebenslauf und ein Anschreiben, in dem man sich vorstellt. Dicke Bewerbungsmappen sind unüblich. Empfehlungen von Dritten sind bei einer Bewerbung ebenfalls wichtig. Für Personaler ist der persönliche Eindruck entscheidender als ausführliche Arbeitszeugnisse oder Zertifikate.

Haufe Online-Redaktion: Was sind die auffälligsten Mentalitätsunterschiede zwischen deutschen und spanischen Mitarbeitern?

Metzger: In Deutschland trennen wir sehr häufig Berufs- und Privatleben. Kollegen sind Kollegen und keine Freunde. Das ist in Spanien anders. Man pflegt dort auch im beruflichen Umfeld ein lockeres und freundschaftliches Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten. Dabei wird jeder mit Vornamen angesprochen und geduzt – auch die Unternehmensleitung. Darüber hinaus klären Spanier Dinge lieber mündlich im Dialog mit anderen, während man in Deutschland alles Wichtige gerne schriftlich festhält. Außerdem tun Spanier häufig viele Dinge gleichzeitig und fühlen sich dadurch nicht gestört. Beispielsweise ist es kein Problem, wenn in Spanien während einer Besprechung, das Handy klingelt und man kurz rangeht. Man hält sich auch nicht unbedingt an eine vorgegebene Agenda und zehn bis fünfzehn Minuten später zu einem Termin zu kommen, ist kein Drama.

Haufe Online-Redaktion: Inwiefern ist der direkte Kommunikationsstil der Deutschen ein Problem für spanische Mitarbeiter?

Metzger: Hier kann es auf alle Fälle zu Missverständnissen kommen. Gerade bei kritischen Themen ist es in Spanien üblich, dass man diese erst einmal mit Small Talk einleitet und dem Gesprächspartner Wertschätzung signalisiert, bevor man Kritik oder Einwände äußert... Interview weiterlesen

Auf den Kanaren liegt die Arbeitslosigkeit über 25%. Bei den Jugendlichen gar bei fast 50%. Die Menschen sind sehr heimatverbunden, aber das Auswandern seit Jahrhunderten gewohnt. Waren es früher Ziele wie Venezuela oder Kuba, wo fast  40% der arbeitenden Bevölkerung hin gingen um Lohn und Brot zu verdienen, sind bzw.waren es in den letzten 20 Jahren Arbeitsplätze in Festlandspanien.
Nachdem nun das Festland aufgrund der eigenen Probleme keinen Aufnahmeplatz mehr bietet, findet zur Zeit eine Orientierungsphase statt. Eindeutige Ziele lassen sich im Moment nicht ausmachen.
Die Arbeitsmoral liegt nach meiner Meinung bei den Canarios höher als bei Festlandspaniern, allerdings bei gebremstem Arbeitstempo.



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