Sonntag, 22. März 2009

Die spanische Krankheit

Die Spanier haben ihr Land mit Neubauten überzogen, in die niemand ziehen will. Eine Million Wohnungen stehen leer, kein anderes Volk in Europa hat sich derart verspekukuliert. Der Plan war einfach, einträglich und tausendmal erfolgreich erprobt. Im Jahre 2002 kaufte der spanische Baulöwe Francisco Hernando 200 Hektar billiges Brachland südlich der spanischen Hauptstadt Madrid. Kurz darauf überzeugte er den Gemeinderat davon, das wasserlose Terrain in Bauland umzuwandeln, und bald schickte er Bagger, Kräne und Betonmischer, um nahe dem Dorf Seseña ein Fünf-Milliarden-Euro-Projekt mit 13 500 Wohnungen in den Sand zu klotzen. Er hat es in den Sand gesetzt. „Residencial Francisco Hernando“ prangt in silberfarbenen Lettern auf einem klobigen Kunstobjekt, das der Bauunternehmer an die Einfahrt zu seinem Lebenswerk gestellt hat. Die vierspurige Straße führt leicht bergan, bis an einen Kreisverkehr, in dessen Zentrum zwei ältere Herrschaften auf einem Betonsockel stehen. In Bronze gegossen blicken die bescheidenen Eltern des Francisco Hernando in die unbescheidene Szenerie. Auf die braun geklinkerten Blocks, die nachts in tiefste Finsternis fallen, weil nur ein paar hundert der 5096 fertig gestellten Wohnungen bewohnt sind. Auf zugemauerte Ladenfronten, auf leere Parkplätze. Und auf Hunderte Schilder, die an Balkons hängen und zwei Worte zeigen: „se vende“. Eine Million Wohnungen zu viel „Zu verkaufen“ , diese Schilder hängen an der Küste und in Kastilien, in Katalonien und auf den Kanaren. Eine Million Wohnungen haben Spaniens Baufirmen am Bedarf vorbei gebaut, und weil manche Maschinen immer noch laufen und weil wahrscheinlich 100 000 Familien die Hypothekenraten nicht mehr zusammenbringen und darum die Wohnungen verlieren werden, könnten am Ende des Jahres anderthalb Millionen Wohnungen auf dem Markt sein... weiterlesen in focus.de

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