Samstag, 10. Januar 2009

Warum die Pesete in Spanien noch quicklebendig ist



Zehn Jahre Euro: Warum die Pesete noch quicklebendig istManchmal erwischt sich Fernando Pereda selbst dabei, dass er in Peseten rechnet. Zum Beispiel dann, wenn es um die Verkaufszahlen geht. Dann schaltet der Leiter der führenden Supermarktkette Eroski-Syp auf den Balearen geistig auf die frühere Währung um: Knapp zehn Milliarden Peseten Jahresabsatz - das klingt gleich viel besser als 58,2 Millionen Euro. "Die Pesete hilft ab und an, um Zahlen zu vergleichen", sagt Pereda. Auch genau zehn Jahre nach Einführung des Euros als Buchgeld und sieben Jahre nach Ausgabe der Scheine und Münzen ist die Pesete in Spanien weiter lebendig. In den Supermärkten der Eroski-Kette beispielsweise wird nicht nur die Endsumme auf dem Ticket in Peseten angegeben. Auch alle Preise vom Blumenkohl über das Olivenöl bis hin zum Toilettenpapier sind bis zum heutigen Tag neben Euro auch in Peseten ausgezeichnet - wenn auch in kleinerer Schrift darunter. "Das ist ein Service für ältere Kunden, der für uns keinen Mehraufwand bedeutet", erklärt Pereda. Ein Datum für die endgültige Verbannung der Pesete gebe es bislang nicht. Es sind aber nicht nur die älteren Spanier, denen die Umstellung noch immer schwer fällt. Schuld hat vor allem der komplizierte Umrechnungskurs: Ein Euro entspricht 166,386 Peseten - eine Herausforderung für Kopfrechner. Besonders bei größeren Posten wie beim Auto- oder Immobilienkauf wird weiter umgeschaltet, beim Tratsch mit dem Nachbarn genauso wie in den Medien. Davon weiß auch José Oliver Roca zu berichten, Immobilienmakler und Vorsitzender des Branchenverbands API auf den Balearen. "Jungen Leuten und Ausländern mag die Umstellung leichter fallen", sagt er. Für alle anderen werde im Verkaufsgespräch umgerechnet. Das sei nicht weiter verwunderlich, sagt Oliver: Schließlich seien die Menschen mit der Pesete groß geworden und hätten sie jahrezehntelang als Referenzwert erlebt. Ohnehin hat die spanische Pesete mehr Jahre auf dem Buckel als die deutsche Mark. Sie war bereits im Jahr 1868 eingeführt worden und ersetzte 97 Münztypen, die bis dato in Umlauf gewesen waren. Auch wenn im Zuge der Inflation schließlich Eisen, Messing oder Aluminium die früheren Edelmetalle ersetzten und das Pfennig- Pendant céntimo schließlich ganz überflüssig wurde, überlebte die Pesete Bürgerkrieg und Diktatur. Geld mit solcher Geschichte gibt man nicht leichtfertig aus der Hand - zumindest nicht ganz. Zwar fand in den ersten beiden Januarwochen im Jahr 2002 ein regelrechter Sturm auf die Banken statt, um Peseten gegen Euros einzutauschen - Ende Februar waren bereits 86 Prozent des Geldwertes eingetauscht. Doch noch heute fehlen davon 3,6 Prozent. Vor allem Münzen wollen viele Spanier offenbar nicht mehr herausrücken: Monedas im Wert von 819 Millionen Euro wurden gebunkert - das ist ein knappes Drittel des ausgegebenen Geldwertes ... weiterlesen in Mallorcazeitung.es

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bitte immer mit Ihrem Namen den Kommentar verfassen. Danke!